Liechtblick im November 2026 - Meerrettich


Wachsen beginnt im Stillen
Gedanken und kleine Alltagsimpulse aus unserer Landschaft im November
Zehn Kilo Meerrettich und ein Angriff auf mein Gehirn
Es gibt Pflanzen, die wachsen still und bescheiden vor sich hin. Und es gibt Meerrettich. Dort, wo wir früher wohnten, hatte er offenbar beschlossen, das Grundstück zu übernehmen. Anfangs war er noch eine durchaus willkommene Gartenpflanze. Doch mit der Zeit breitete er sich immer weiter aus, als hätte ihm jemand versprochen, dass ihm irgendwann der ganze Garten gehören würde. Irgendwann hatten wir genug. Der Meerrettich war uns buchstäblich über den Hals gewachsen. Also starteten wir eine gemeinsame Ausgrabungsaktion. Mit Spaten, vereinten Kräften und dem festen Vorsatz, die Sache ein für alle Mal in den Griff zu bekommen. Wir gruben und zogen, lockerten die Erde und beförderten eine Wurzel nach der anderen ans Tageslicht. Am Ende lagen ungefähr zehn Kilo dieser äusserst gesunden Wurzel vor uns!
Die in hoher Konzentration enthaltenen Senföle des Meerrettichs wirken u.a. antibiotisch, deshalb wird er auch als „Penicillin des Gartens“ beschrieben. Die Wirkstoffe wirken immunstärkend und helfen bei Infekten von Atem- und Harnwegen.
Da standen wir nun, ziemlich zufrieden mit unserer Arbeit, und betrachteten die Ernte. Der Garten war vorerst befreit. Dafür hatten wir ein neues Problem:
Was um Himmels willen macht man mit zehn Kilo Meerrettich?
Wegwerfen kam selbstverständlich nicht infrage. Also wurde beschlossen, daraus eine feine Meerrettichpaste herzustellen. Wer schon einmal versucht hat, eine frische Meerrettichwurzel von Hand zu zerkleinern, weiss, wie hartnäckig dieses Gemüse sein kann. Zum Glück gab es den starken Thermomix. Der sollte die Arbeit übernehmen.
Ich füllte die vorbereiteten Wurzelstücke ein, setzte den Deckel auf und liess die Maschine arbeiten. Das funktionierte wunderbar. Innerhalb kurzer Zeit war aus den harten Wurzeln eine fein zerkleinerte Masse geworden.
Dann öffnete ich den Deckel.
Leider befand sich meine Nase genau darüber.
Was in diesem Moment geschah, lässt sich nur schwer beschreiben. Der aufsteigende Meerrettichdunst nahm den direkten Weg durch meine Nase und schien irgendwo mitten in meinem Gehirn zu explodieren. Für einen Augenblick hatte ich das Gefühl, sämtliche Nebenhöhlen würden gleichzeitig durchgeputzt. Die Augen tränten, ich schnappte nach Luft und fragte mich, ob mein Kopf wohl noch vollständig an seinem Platz sass.
Wer braucht schon einen Wecker, wenn er einen Thermomix voller frisch zerkleinertem Meerrettich öffnen kann?
Ich kann jedenfalls bestätigen: Meerrettich macht wach, sehr wach!
Später, als ich wieder normal sehen und atmen konnte, wurde aus unserer riesigen Ernte tatsächlich eine wunderbare Meerrettichpaste. Herrlich würzig, cremig und mit genau jener Schärfe, die zu einem guten Stück Brot, Käse oder einem kräftigen Essen passt.
Der Meerrettich hatte uns zwar zuerst den Garten streitig gemacht und anschliessend meine Nase überfallen, aber kulinarisch hatte er sich mehr als entschuldigt. Seitdem betrachte ich ihn mit einer gewissen Hochachtung. Vor allem halte ich beim Öffnen eines Mixerdeckels vorsichtshalber etwas mehr Abstand.
Die Paste ist übrigens herrlich zu Käse, auf einem Stück Brot und ganz besonders in einem Salat aus gekochten Randen. Die erdige Süsse der Randen und die frische Schärfe des Meerrettichs passen wunderbar zusammen.
Das Rezept teile ich gerne mit euch. Falls sich bei euch im Garten ebenfalls einmal zehn Kilo Meerrettich breitmachen, seid ihr damit bestens vorbereitet.
Sandra Neff
Zutaten für ca. 2 kleine Gläser
Zubereitung im Thermomix oder einem starken Mixer
Mein Tipp: Der Apfel verleiht der Paste eine feine Süsse und rundet die Schärfe des Meerrettichs ab. Für eine besonders scharfe Variante kannst du den Apfelanteil reduzieren.
Die Paste hält sich im Kühlschrank bei sauberer Entnahme ungefähr eine Woche. Für grössere Mengen lässt sie sich portionsweise einfrieren.