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Liechtblick im Juli 2026 - Johannisbeere

Johannisbeere

Gedanken und kleine Alltagsimpulse aus unserer Landschaft im Juli

Wenn ich Johannisbeeren sehe, denke ich nicht zuerst an Vitamine oder an Rezepte, sondern erneut an meine Grossmutter auf dem «Schneller» im Appenzellerland.
In ihrem Garten standen mehrere Johannisbeersträucher. Darunter liefen die Hühner frei herum. Den ganzen Tag scharrten und pickten sie zwischen den Pflanzen, und als Kind machte ich mir darüber kaum Gedanken. Die Hühner gehörten einfach dazu, genauso wie die Sträucher. Erst viel später wurde mir klar, dass genau diese Hühner ihren Teil dazu beitrugen, dass die Johannisbeeren jedes Jahr so üppig wuchsen. Die Sträucher waren voller Früchte. Nicht nur ein paar Beeren hier und da, sondern ganze Trauben. Gross, schwer und leuchtend rot. Im Juli bogen sich die Zweige oft unter ihrem Gewicht. Wenn die Sonne darauf schien, sahen sie aus wie kleine rote Edelsteine zwischen den grünen Blättern. Natürlich konnten wir nie widerstehen. Schon beim Pflücken verschwanden die ersten Beeren direkt im Mund. Die Säure liess uns manchmal das Gesicht verziehen, aber das hielt uns nicht davon ab, gleich die nächsten zu naschen. So pflückten wir jedes Jahr mit und füllten Kessel um Kessel.

Und am Ende bekamen wir immer etwas mit nach Hause. Für mich gehörte das fast so sehr zum Sommer wie das Heuen oder die langen Abende draussen. Die Johannisbeeren waren nicht einfach eine Frucht. Sie waren ein Stück Garten, ein Stück Bauernhof, das wir mitnehmen durften.

Wann immer ich heute einen Johannisbeerstrauch sehe, denke ich an diesen einfachen Kreislauf. Die Hühner, die unter den Sträuchern scharrten. Die Erde, die genährt wurde. Die Pflanzen, die daraus ihre Kraft schöpften. Und die Früchte, die wir später ernten durften. Damals hätte niemand von Nachhaltigkeit oder Kreislaufwirtschaft gesprochen. Es war einfach selbstverständlich. Alles hatte seinen Platz. Die Johannisbeeren erinnern mich daran, wie viel Fülle entstehen kann, wenn die Dinge natürlich zusammenwirken dürfen. Ohne grossen Aufwand. Ohne komplizierte Konzepte. Ein gesunder Boden, ein paar Hühner, Sonne und Regen. Und daraus entstehen Früchte, die mehrere Generationen erfreuen.

Impuls für diesen Monat:

Vielleicht gibt es auch für dich eine Frucht, einen Duft oder einen Geschmack, der dich sofort an einen bestimmten Ort zurückbringt? Einen Garten, eine Grossmutter, eine Sommerferienwoche? Nimm dir einen Moment Zeit für diese Erinnerung. Oft sind es nicht die grossen Ereignisse, die bleiben. Sondern die einfachen Dinge, die Jahr für Jahr wiederkehrten und dadurch Teil unseres Lebens wurden.

Und weil wir damals nie mit leeren Händen nach Hause gingen, teile ich diesen Monat auch das Johannisbeerkuchen-Rezept meiner Grossmutter mit euch. Vielleicht bringt es ein kleines Stück Sommer auf euren Tisch und, wie ich finde, auch für Menschen denen die kleinen Roten zu sauer sind ein wahrer Leckerbissen!

Grossmutters Johannisbeerkuchen

Mürbeteig

250 g Mehl

125 g Vollrohrzucker

80 g Butter

1 Ei

1 gestr.TL Backpulver

Alle Zutaten zusammenmischen und von Hand zu einem Teig verarbeiten. Je nach Grösse des Eis ist der Teig etwas zu trocken, dann kannst du 1 – 2 EL Milch oder Olivenöl zugeben.

Eine Springform mit Backpapier belegen, den Rand etwas einfetten. 1/3 des Teiges für Rand verwenden, Rest auf Springformboden auswallen und mit gemahlenen Mandeln bestreuen. Mit Johannisbeeren belegen, wohl ca. 200 – 300 g, so dass Teig nicht mehr durchscheint.

Ofen auf ca. 180 Grad vorheizen.

Guss

2- 3 EL Zucker

2- 3 EL gemahlene Mandeln

2 dl Kaffeerahm oder Rahm

1 Eiweiss steif geschlagen darunter ziehen, alles über Johannisbeeren und Kuchen ca. 40 Minuten in den Ofen. 

En Guete!