Liechtblick im August 2026 - Mädesüss


Wachsen beginnt im Stillen
Gedanken und kleine Alltagsimpulse aus unserer Landschaft im August.
Wenn der Wald nach Mädesüss duftet.
Die Hitze liegt über den Tagen und manchmal scheint selbst am Abend noch alles warm und aufgeheizt zu sein. Der Garten, die Hauswände und die Steine unter den Füssen haben die Sonne gespeichert. An solchen Tagen zieht es mich in den Wald.
Schon nach den ersten Schritten unter den Bäumen verändert sich die Luft. Es wird kühler und riecht nach Erde, Holz und Blättern. Das Licht fällt weicher durch die Baumkronen und oft merke ich erst dort, wie anstrengend die Hitze eigentlich war. Im August fällt mir an den feuchteren Stellen sofort das Mädesüss auf. Es steht entlang kleiner Bachläufe, an Gräben und dort, wo der Boden noch genügend Wasser hält. Seine hellen Blüten ragen aus dem satten Grün und wirken fast ein wenig wie kleine Wolken. Mädesüss duftet süss und warm, erinnert ein wenig an Mandeln oder auch an Marzipan.
Rund um die Blüten summt und bewegt es sich. Irgendwo fliesst Wasser und unter meinen Schuhen ist der Boden noch feucht, während ausserhalb des Waldes die Augustsonne auf die Landschaft brennt. Das Mädesüss gehört für mich inzwischen zu dieser Zeit.
Schon früher wurden seine Blüten genutzt, um Getränke und Speisen zu aromatisieren. Auch als Heilpflanze ist es seit langem bekannt. Mädesüss enthält Salicylatverbindungen und wurde traditionell bei Schmerzen und Fieber verwendet. Selbst die Namensgeschichte von Aspirin führt über den früheren botanischen Namen Spiraea zum Mädesüss. Mädesüss wirkt daneben beruhigend, ausgleichend und stimmungsaufhellend.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, was in einer Pflanze steckt, die so selbstverständlich an unseren Bachläufen wächst.
Wenn ich einige Blüten mit nach Hause nehme, begleitet mich ihr Duft bis in die Küche. Es braucht gar nicht viel. Wenige Dolden reichen aus, um Rahm ein feines, fast mandelartiges Aroma zu geben.
Dieses Jahr kombiniere ich ihn mit Aprikosen.
Die Aprikosen sind jetzt weich, süss und manchmal schon ein wenig überreif. Genau dann mag ich sie am liebsten. Kurz in der Pfanne erwärmt, werden sie noch saftiger und ihre leichte Säure passt wunderbar zum kühlen Mädesüssrahm.
Welcher Duft gehört für dich zum August?
Ist es frisch gemähtes Gras, warmes Heu, der Geruch eines Sommergewitters oder reife Früchte in der Küche?
Nimm einen dieser typischen Sommerdüfte einmal ganz bewusst wahr. Oft braucht es nur einen einzigen Atemzug und schon ist eine Erinnerung da, von der wir gar nicht wussten, dass wir sie noch in uns tragen.
Sandra Neff
Für 4 Personen
8 reife Aprikosen
2 bis 3 frische Mädesüssblütendolden
250 ml Vollrahm
1 bis 2 EL Honig
etwas Butter
1 kleine Handvoll Mandeln
Den Rahm langsam erwärmen, aber nicht kochen. Die Mädesüssblüten vorsichtig ausschütteln und in den warmen Rahm geben. Etwa 20 Minuten ziehen lassen.
Die Blüten entfernen und den Rahm vollständig auskühlen lassen. Anschliessend mit etwas Honig leicht aufschlagen. Ich mag ihn nicht ganz steif. Er darf weich und cremig bleiben.
Die Aprikosen halbieren und entsteinen. Etwas Butter in einer Pfanne erwärmen und die Aprikosen mit der Schnittfläche nach unten hineinlegen. Einige Minuten braten, bis sie warm und leicht gebräunt sind.
Die Mandeln grob hacken und kurz rösten.
Die warmen Aprikosen auf Teller verteilen, den kühlen Mädesüssrahm dazugeben und mit den gerösteten Mandeln bestreuen.
Tipp: Statt Aprikosen kannst du auch Pfirsiche, Nektarinen oder bald schon Zwetschgen verwenden.